Auto Kunst

Aus Museum für Auto-Kolonialisierung
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Abteilung für Auto_Kunst- und_Handwerk

Bernard Palissy: L ́Art de Terre oder die versteinerte Natur „Aber so sehr jedes Bild der Hochschätzung wert war, meinte ich sofort, daß es, mit Schnitzmesser und Meißel nachgebildet, niemals so vollkommen gewesen sein konnte, so daß ich nachdenkend quasi zu dem Schluß kam und vermutete, daß sie (die Nymphe) an diesem Ort vom Lebenden in Stein wurde und so versteinerte.“[1]

Der um 1510 geborene Bernard Palissy verheimlicht die Technik wie die lebensechten Tiere auf seine Keramiken kommen. In 3 Büchern beschreibt er seine Garten und Grottenprojekte, den Plan einer Festung, vermittelt seine naturkundlichen Erkenntnisse in Anleitungen für den Ackerbau und veröffentlicht seine Theorien zur Entstehung von Flüssen, Fossilien, Metallen, Salzen und Mineralien. Von den Tieren, die in den Grotten und auf seinen Schalen plaziert sind, behauptet er, sie seien „skulpiert“.
„Diese gefährlichen Bücher haben mich dazu veranlaßt, vierzig Jahre lang die Erde aufzuschürfen und in ihren Eingeweiden zu graben, um schließlich die Dinge zu kennen, die sie in ihrem Inneren produziert. Und auf diese Weise fand ich Gnade vor Gott, der mich Geheimnisse kennen lernen ließ, die bis jetzt dem Menschen unbekannt waren“.[2]
In den Discourses widmet Palissy ein ganzes Kapitel seiner Kunst, LArt de Terre. Er entwirft sich als Autodidakt, der ohne Vorkenntnise „im Dunkeln tappend“ mehr als 15 Jahre lang experimentierte (und dabei u. a. sein Mobiliar verheizte) bis er schließlich Email (Glasur) und Ofen für seine Keramiken entwickelt hatte. Er beschreibt diese Zeit als entbehrungsreich und isoliert. Seine Haltung gegenüber der Alchemie ist zwiespältig: Er beklagt, daß ihn diese Lehre um Zeit und Gut gebracht hätte und rühmt seine aus den Untersuchungen gewonnenen Erkennnisse. Er verein- nahmt aber auch innerhalb der Abhandlung alchemistische Topoi, was darin gipfelt, daß er die Quintessenz der Alchemisten mit seinem weißen Email (Stein der Weisen) analog setzt. Er macht sich für dieses Email die Wirkung zu eigen, welche die Alchemisten dem Stein zudachten: eine Beschleunigung und Vollendung von Naturprozessen. Darüber hinaus übernimmt Palissy mit der detailiierten Beschreibung seiner wochenlang vor dem Ofen durchwachten Nächte ein weiters zentrales alchemistisches Motiv. Nach dem Verständnis der Alchimisten verhilft ihnen der Ofen als verkleinerter und schneller produzierender Schoß der Erde dazu, den Verwandlungsprozess der Metalle in Gold, für den die Natur Jahrhunderte benötigt, in einem einzigen Augenblick zu vollenden. Palissy beansprucht, vermittelt über die Alchemie, für seine Keramiken, die in einem Ofen der Erde gleich produziert werden, Natur zu sein. Eine Natur jedoch, in der sich das, was die Natur unvollkommen ließ, vollkommen zeigt.
Das Kapitel L‘Art de Terre schließt Palissy mit einer kunsttheoretischen Debatte, welche die mythologischen Ausführungen zu seiner Keramik abrupt abbricht und mit der Frage, ob die Keramik Kunst oder Handwerk sei. Palissy fordert die Aufwertung seiner Kunst, seiner Keramik, über die alttestamentarische Vorstellung einer von Gott nach Maß, Zahl und Gewicht geformten Materie ein.

In der Sammlung des Museums für Auto-Kolonialisierung befinden sich derzeit drei große Schalen, eine kleine und zwei Vasen. Auf allen Objekten winden sich Schlangen in Form von Autosilhouetten, dies könnte eine Weiterentwicklung der Schale im Louvre sein oder deutet darauf hin, daß diese Schalen von einem frühen Nachfolger Palissys gefertigt wurden.

Einzelnachweise

  1. Hypnerotomachia Poliphili, Venedig, 1499
  2. Palissy 1580, Discours admirables, Ausgabe 1969, S.164, aus: Klier, Fixierte Natur, 2004